Eine Safari in Kenia

Nach langer, coronabedingter Reisepause, ging es für mich im Juni 2021 wieder einmal zu einer Safari nach Kenia. Für mich war es weit mehr als eine Reise – es war die Rückkehr an einen Ort, der mich seit meiner Kindheit begleitet. Der Traum, eines Tages in Afrika zu leben und zu arbeiten, entstand schon früh. Ausgelöst wurde er durch die Fernsehserie Daktari, in der Tierarzt Marsh Tracy und sein Team auf der Wameru Research Station zahlreiche Abenteuer erlebten. Unvergessen bleiben Clarence, der schielende Löwe, und Judy, der Schimpanse. Was damals als Kindertraum begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer tiefen Verbundenheit mit diesem faszinierenden Kontinent.

„Afrika ist ein kaltes Land mit heißer Sonne“, sagte mein Mann oft. Vor über 40 Jahren brachte er mich zum ersten Mal nach Kenia und eröffnete mir damit eine Welt, die mich bis heute nicht mehr losgelassen hat. Wie treffend dieser Satz ist, wurde mir im Hochland Kenias erneut bewusst.

Morgens um 06:30 Uhr saß ich ausstaffiert mit Mütze, Schal, Daunen-Jacke und einem Fleece gefüttertem Poncho von Asilia im Fahrzeug. Die klare, kalte Morgenluft ließ keinen Zweifel daran, dass Afrika nicht nur für Hitze steht. Aber bereits um 09:00 begann ich mich dann wie ein Reptil meiner zahlreichen Schichten zu entledigen, um gegen 13:00 Uhr dann in T-Shirt und Shorts  die Safari fortzusetzen.

Die Auswirkungen der Pandemie waren noch deutlich spürbar. Gleichzeitig boten sie eine seltene Gelegenheit, die Natur in einer außergewöhnlichen Ruhe zu erleben. Über weite Strecken begegneten wir keinem anderen Fahrzeug. Auf kaum erkennbaren Pisten führte unser Weg durch die scheinbar endlose Savanne – ein Gefühl von Weite und Einsamkeit, das heute nur noch selten zu erleben ist und diese Reise unvergesslich machte.

Einstieg Nairobi

Nairobi mit seinem internationen Flughafen ist die erste Anlaufstelle bevor die Safari in Kenia beginnt. In dieser mittlerweile kosmopolitischen Gr0ßstadt liefen in den 60iger Jahren gelegentlich noch Löwen durch die Straßen. Seitdem hat sich viel getan. Das Aga Khan Hospital ist das Beste in Ostafrika. Hierher werden Personen auch aus den Nachbarländern mit dem flying doctors Service geflogen, die medizinische Hilfe benötigen.

Auf dem Weg vom internationen zum Domestic Flughafen Wilson, kommt man am Nairobi Nationalpark vorbei. Es war der 1. Park des Landes. Heute trifft man hier auf die Big 5, mit Ausnahme von Elefanten. Zu Zeiten der Pandemie haben vor allem Kenianer die Chance genutzt, hier die Wildtiere ihrer Heimat kennenzulernen.

Ich übernachtete im House of Wayne in Karen. Der Vorort ist nach der Dänin Karen Blixen benannt, die mit ihrem Buch und durch den geichnamigen Film nicht nur selbst weltberühmt wurde. “Out of Africa” wurde ein Klassiker und mit ihm auch die Safari in Kenia.

Das luxuriöse Boutique Hotel ist ein ehemaliges Wohnhaus. Noch heute versprüht es den besonderen Charme der Kolonialzeit. Die teils dunklen, schweren Möbel der damaligen Zeit wurden durch helle, moderne Elemente ersetzt. Dadurch erhielt es eine Spur von Leichtigkeit. Besonders am Abend, wenn Lampen im Zwielicht die Umrisse noch schemenartig zeigen, spürte ich die Romantik die von diesem Haus ausgeht. Leider musste ich bereits am nächsten Morgen wieder weiter. Mit einem Kleinflugzeug und strikten 15 kg Gepäck inkl. Handgepäck, ging es weiter in die Masai Mara.

Masai Mara

Was für Tansania die Serengeti ist, bedeutet für Kenia die Masai Mara. Das Naturreservat im Südwesten des Landes hat sich zum beliebtesten Touristenziel in Kenia entwickelt. In der Hochsaison sind somit über 100 Fahrzeuge keine Seltenheit. Ich hingegen hatte das Glück, die Mara im Juni nahezu ganz für mich allein zu haben. Wir waren mit Fahrer/Guide, Agenturbetreuung und Kollegen, gerade einmal 5 Personen.

Der einmalige Reiz der Mara besteht in ihrer Weite und dem absolut ungetrübten Blick in die Ferne. Die Landschaft ist geprägt von sanften Erhebungen und einer grasbewachsenen Savannen mit ihren vereinzelten Akazien. Am Horizont beenden die Höhenzüge des Grabenbruchs die Szenerie. Auch ohne Tiere hat allein die besondere Stille der Landschaft eine entspannende Wirkung auf den Besucher. Und außerhalb der eigentlichen Migration lassen sich an einem Tag mitunter leicht bis zu 10 und mehr Arten an Säugetieren entdecken.

Obwohl die Migration noch nicht in vollem Gang war, sammelten sich bereits die ersten Zebraherden. Sie stellen immer die ersten Tiernomaden. Sie sind  übrigens auch die ersten, die bei der Überquerung des Mara Flusses den Sprung ins Wasser wagen. Trotz der wartenden Krokodile. Einige männliche Gnus lieferten sich imposante Machtkämpfe. Warzenschweine eilten mit erhohenem Schwanz im Entenmarch über die Ebenen, zu welcher wichtigen Mission auch immer. Giraffen, jede Menge Elefanten, Büffel, Topis, Flusspferde und natürlich die allgegenwärtigen Impala und Gazellen präsentierten sich bereitwillig für die Foto Safari.

Klimafreundliche Unterkünfte

Während vielerorts noch intensiv über die Umsetzung von Nachhaltigkeits- und Umweltmaßnahmen diskutiert wird, begegneten mir auf meiner Safari in Kenia bereits zahlreiche konkrete Ansätze. Jede der von mir besuchten Lodges setzte zumindest teilweise auf Solarenergie zur Stromerzeugung. Darüber hinaus gehörten Maßnahmen wie die getrennte Sammlung von Glas, Papier und Kunststoff sowie deren Weiterleitung an Recyclingbetriebe in Nairobi zum festen Bestandteil des Lodgebetriebs.

Je nach Unterkunft kamen weitere Maßnahmen hinzu, beispielsweise ein bewusster Umgang mit Wasser, der Verzicht auf Einwegplastik oder die Verwendung regionaler Produkte. Auch wenn jede Lodge ihre eigenen Schwerpunkte setzt, zeigte sich insgesamt, dass Umweltaspekte bei vielen Safariunterkünften inzwischen eine wichtige Rolle spielen.

Total begeistert war ich indes von den elektrisch betriebenen 4×4 Fahrzeugen.  Die eingesetzten Toyota Landcruiser werden vor Ort umgerüstet. Der Strom stammt aus Solaranlagen und wird über eine Wallbox nachts geladen. Neben einer emmisionsfreien Fahrt sind die Fahrzeuge zudem auch extrem leise. Dies wiederum hat wesentliche Vorteile  für Pirschfahrten, denn die Tiere die man vielleicht gerade beobachtet werden nicht beim Anfahren nicht erschreckt.

Eine Safari und die Hygiene

Sicherer als bei einer Safari kann man in Hinblick auf Hygienemaßnahmen eigentlich gar nicht sein. Zunächste einmal findet alles im Freien statt. Frühstück, Lunch, Buschmahlzeiten und Abendessen. Nicht läuft in geschlossenen 4 Wänden ab. Auch im umgebauten, seitlich offenen Fahrzeug war ich, zumindest bei meiner Kenia Safari ständig an der frischen Luft. Noch nie wurde bei mir so oft und freundlich Fieber gemessen. Überall standen Händedesinfektionsmittel. Und mit afrikanischem Erfindungsgeist boten kontaktfreie Tippy Tap Stations, Gelegenheiten zum Händewaschen.

Ich habe dennoch meine Maske getragen, obwohl dies hier wirklich nicht notwendig gewesen wäre. Allein schon aus Solidarität zum Personal, das die Masken-Vorschrift strengstens eingehalten hat.

Ol Pejeta – Hunde im Dienst des Wildtierschutzes

Im Ol Pejeta Schutzgebiet, in der Nähe von Nanyuki, begegnete ich neben Nashörnern vor allem interessanten Hunde. Die Tiere werden hier gezüchtet und als Patrouillenbegleithunde für die Wildhüter ausgebildet. Welpen in großen Zwingern mit Auslauf und gegenüber eine Art Agility Platz. Bei der Ausbildung geht es auch hier um Vertrauensaufbau, und Kommunikation mit den Hundeführern. Nach dem Kuschelbesuch bei den Welpen, gab man uns dann eine Einsatz Demonstration. Munition wurde versteckt, die ein Hund erschnüffelte. Einer von uns spielte dann den Wilderer, der von einem Hund aufgespürt wurde, nachdem er den Geruch der Fußspüren aufgenommen hatte.

Ol Pejeta basiert auf einer privaten Initiative und ist somit wie viele ähnliche Strukturen wesentlich vom Tourismus abhängig. Denn die Kosten für den Schutz der Nashörner werden von Spenden und eben Einnahmen aus dem Tourismus getragen.

Tierischer Abschluss der Safari in Kenia

Die letzten 2 Tage verbachte ich in der Naboisha Conservancy in gleichnamiger Lodge. Keine 100 Meter von der Lodge entfernt, sättigte sich eine Hyäne an einer toten Elen Antilope. Das Tier war dabei fast bis zur Hälfte im Körper der Antilope verschwunden. In gebührenden Abstand warteten an die 30 Geier, schön im Halbkreis angeordnet. Die Futterquelle schien sich jedoch schnell herumgesprochen zu haben. Immer mehr dieser Greifvögel flogen aus allen Himmelsrichtungen ein. Auch zwei Schakale gesellten sich dazu. Die beiden Kerlchen waren allerdings nicht so geduldig. Das Ganze gestaltete sich zu einem Spektakel um das beste Stück, wobei nun auch die Greifvögel kräftig mitmischten.

Wo man üblicherweise nur einen kurzen Foto Stopp macht, konnten wir die Szene ausgiebig beobachten. Wir sind sogar nach dem Abendessen nochmals zu derselben Stelle gefahren. Diese Form der flexiblen Beobachtung hat man vor allem bei den hochwertigeren Camps in den privaten Schutzgebieten. Zudem war auch die Lodge ein Traum. Mit meinem heißgeliebten Cappuccino in der Hand, saß ich gemütlich auf der offen gestalteten Terrasse. Vor mir nur eine weite Ebene, hinter der  die Sonne blutrot versank.

 

Schwarzwald Kurzurlaub in Deutschland
Ayurveda mit Erfolgserlebnis

Teile diesen Beitrag. Wählen Sie Ihre Plattform!

Über den Autor: Claudia Behlert

Avatar-Foto
Die Tierärztin Dr. Claudia Behlert machte aus ihrer Passion für das Reisen eine Agentur für Individualtourismus. Bei eigenen Touren besuchte Sie 6 Kontinente. Sie lebte in Europa & Asien. In ihren Blogbeiträgen teilt sie ihre Erfahrungen.

Ähnliche Beiträge

Kategorien

Schlagwörter

Archiv