Welche Reise wirklich zu einem passt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn selbst eine vermeintliche Traumreise kann am Ende enttäuschen, wenn man sich vorher nicht ehrlich mit den eigenen Erwartungen, Fähigkeiten und Naturell auseinandergesetzt hat. Denn oft liegen Wunschvorstellung und tatsächliches Reiseerlebnis weiter auseinander, als man zunächst denkt.

Gerade bei der Reiseplanung lassen wir uns schnell von Erzählungen anderer inspirieren. Freunde oder Bekannte berichten begeistert von Ihrem letzten Urlaub, zeigen beeindruckende Fotos und schwärmen von ihren Erlebnissen. Hinzu kommt die große Sprache der Bilder. Sie lösen Emotionen und Begehrlichkeiten aus. Sie machen den abgebildeten Ort schnell zu einem Sehnsuchtsort. Doch ob ein bestimmtes Land, eine bestimmte Reiseart oder ein bestimmter Reisestil tatsächlich zu einem selbst passt, ist eine ganz andere Frage.  Es ist ein wenig wie in der Mode: Nicht alles, was einem gefällt, steht einem automatisch auch.

Mehr als nur die Frage ob Berge oder Meer

Bei der Wahl der richtigen Reise geht es nicht nur um die klassische Frage ob Berge oder Meer, Kultur oder Natur, Safari oder Strand? Viel entscheidender sind oft die Feinheiten. Denn fast jedes Reiseziel und jede Reiseform lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise erleben. Genau diese Nuancen bestimmen am Ende, ob eine Reise als entspannt, bereichernd oder vielleicht doch eher anstrengend empfunden wird.

Wer herausfinden möchte, welche Reise wirklich die richtige ist, sollte sich deshalb zunächst eine andere Frage stellen:
Welcher Reise-Typ bin ich eigentlich?

Brauche ich Sicherheit, eine gute Organisation und einen möglichst klaren Ablauf? Oder genieße ich es, spontan zu sein und mich auf Unvorhergesehenes einzulassen? Kann ich mit Planänderungen, Verspätungen oder kleineren Herausforderungen unterwegs entspannt umgehen – oder bringen mich solche Situationen schnell aus dem Gleichgewicht? Mitunter sind es sogar diese Reize, die eine Reise für mich erst so richtig erlebnisreich machen?

Ebenso wichtig ist die Frage, wie man unterwegs am liebsten reist. Bin ich gerne in Gesellschaft, tausche mich mit anderen aus und lasse mich auf neue Menschen ein? Oder reise ich lieber unabhängig, in meinem eigenen Tempo und mit möglichst viel Freiraum? Wer sich eher als „einsamer Wolf“ sieht und Smalltalk oder ständige Gruppenaktivitäten als anstrengend empfindet, wird sich auf einer klassischen Gruppenreise vermutlich weniger wohlfühlen, auch wenn diese relativ klein sein sollte. Umgekehrt kann für Menschen, die den Austausch schätzen und sich gerne um wenig kümmern möchten, eine geführte Reise oder Kleingruppenreise genau die richtige Wahl sein.

 

Auch Komfort und Reiseintensität spielen eine entscheidende Rolle. Möchte ich in kurzer Zeit möglichst viel sehen und erleben, nehme dafür dann einen häufigen Ortswechsel und ein straffes Zeitprogramm in Kauf? Oder wünsche ich mir eher eine entschleunigte Reise mit längeren Aufenthalten an einem Ort. Brauche ich diesen Raum für eigene Entdeckungen und bewusst eingeplanten Pausen?  Denn nicht jeder empfindet dasselbe als Erholung. Für die einen ist es jener getaktete Ablauf mit möglichst vielen Höhepunkten, für die anderen der Aufenthalt an wenigen ausgewählten Orten mit mehr Tiefe und Ruhe.

Selbstfahrerreisen = Freiheit mit Verantwortung

Eine Selbstfahrerreise klingt zunächst nach maximaler Unabhängigkeit. Man kann anhalten, wo es schön ist, spontan Umwege einbauen und das Land im eigenen Rhythmus entdecken. Genau das macht für viele den Reiz aus. Mitunter kommt auch noch das besondere Fahrerlebnis dazu. Denn bei den Mietwagen in Afrika handelt es sich überwiegend um geländetaugliche Allradfahrzeuge, die eine eigene Anforderungen an den Fahrer stellen.

Licht und Scheibenwischer gehen nicht automatisch an, eine Traktionskontrolle fehlt – dafür gibt es die Untersetzung. Viele Gimmicks der modernen Stadtfahrzeuge sind für Staubpisten zu empfindlich und fehlen folglich. Mit einem Geländewagen in Afrika zu fahren ist wie Auto fahren vor 30 Jahren.

Wer mit dem Mietwagen unterwegs ist, sollte sich fragen, wie entspannt er oder sie in ungewohnten Situationen reagiert. Was passiert, wenn unterwegs ein Reifen gewechselt werden muss? Wie gut komme ich zurecht, wenn die Strecke plötzlich schlechter ausgeschildert ist als erwartet oder gänzlich fehlt? Kein Internet und kein GPS. Fühle ich mich dann wohl dabei, selbst nach dem richtigen Weg zu suchen, eventuell Einheimische nach dem Weg zu fragen oder spontan umzuplanen? Und wie gelassen bleibe ich, wenn Straßenverhältnisse, Verkehrsregeln oder Fahrgewohnheiten vor Ort ganz anders sind als zu Hause?

schlammiger Geländewagen Reifen _ Flussdurchquerung in Sambia

Gerade in abgelegeneren Regionen oder in Ländern mit weniger touristischer Infrastruktur kann eine Selbstfahrerreise ein großartiges Erlebnis sein, gleichzeitig aber auch fordernder. Wer Spaß daran hat, selbst zu navigieren, flexibel zu reagieren und kleinere Herausforderungen als Teil des Abenteuers zu sehen, wird diese Art des Reisens besonders schätzen. Wer dagegen vor allem entspannen möchte und schon bei organisatorischen Fragen schnell unter Druck gerät, sollte gut überlegen, ob eine geführte oder teilweise organisierte Reise nicht besser passt.

Wie viel Organisation brauche ich unterwegs?

Ein wichtiger Punkt ist also die Frage, wie selbstständig man auf Reisen sein möchte oder kann. Wer sich im Urlaub am liebsten um nichts kümmern will, ist mit einer geführten Rundreise oder einer gut organisierten Individualreise oft bestens beraten. Wer einen klar strukturierten Reiseablauf ohne Überraschungen bevorzugt, wählt zudem ein Ziel das dies auch sicherstellen kann. Dazu braucht es eine gute touristische Infrastruktur, erfahrene verlässliche Organisation und einen gesellschaftlichen Rahmen, in dem man sich sicher und gut aufgehoben fühlt.

Manche Menschen wiederum lieben es, wenn nicht alles bis ins letzte Detail planbar ist, wenn das Restaurant nicht von Google empfohlen wird, sondern man einfach mal selber sucht, auch mit dem Risiko der Enttäuschung. Für sie machen spontane Begegnungen, kleine Herausforderungen und unerwartete Situationen den eigentlichen Reiz des Reisens aus.

Beides ist völlig legitim – entscheidend ist nur, die Reiseform zu wählen, die wirklich zu den eigenen Bedürfnissen passt. Denn es ist vor allem die eigene Persönlichkeit, die bei der Reiseentscheidung eine große Rolle spielt. Nicht jeder liebt das gleiche und das ist auch gut so.

Die beste Reise ist die, die zu Ihnen passt

Am Ende gibt es nicht DIE EINE perfekte Reise für alle. Die beste Reise ist immer jene, die zu den eigenen Vorstellungen, dem eigenen Charakter und den persönlichen Erwartungen, sowie zum gewünschten Reiseerlebnis passt.

Denn eine Reise wird nicht automatisch dadurch besonders, dass sie auf Bildern spektakulär aussieht oder anderen gefallen hat. Besonders wird sie erst, wenn sie zu Ihnen passt – zu Ihrem Tempo, Ihrer Art zu reisen und dem, was Sie unterwegs wirklich erleben möchten. Wer sich vor der Buchung ehrlich fragt, was ihm wichtig ist, wie viel Komfort, Flexibilität oder Abenteuer er oder sie wirklich möchte, erhöht die Chance auf eine Reise, die sich auch wirklich richtig gut anfühlt.

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Über den Autor: Claudia Behlert

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Die Tierärztin Dr. Claudia Behlert machte aus ihrer Passion für das Reisen eine Agentur für Individualtourismus. Bei eigenen Touren besuchte Sie 6 Kontinente. Sie lebte in Europa & Asien. In ihren Blogbeiträgen teilt sie ihre Erfahrungen.

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