By Published On: Dezember 7th, 2022Categories: General

Ich liebe es einfach nur unterwegs zu sein. Denn für mich ganz persönlich, ist der Weg bereits das halbe Ziel. Ich sehe den besonderen Reiz beim Reisen darin, ein neues Ziel nicht vorherbestimmt zu erkunden. Ich will mich einfach treiben zu lassen, von meiner Stimmung, den Begegnungen und den Eindrücken in einer neuen, fremden Umgebung. Mit um die 30 Umzüge in meinem Leben, hatte ich hierzu schon ausreichend Gelegenheiten.  Dennoch ist der Wunsch andere Orte zu erkunden geblieben, wie ein Virus der mich befallen hat.

Dieser Entdeckerdrang ist auch das, was für mich den wesentlichen Unterschied zwischen Reisen und Urlaub ausmacht. Oder anderes ausgedrückt zwischen Reisenden und Pauschaltourist. Dies soll natürlich keine Wertung des jeweiligen Personenkreises darstellen. Mir geht es hierbei vielmehr um die Bedeutung der jeweiligen Begriffe, die leider gesetzlich in einen Topf geworfen werden. Denn sobald man zwei Leistungen miteinander verbindet, hat man schon eine Pauschalreise.

Privat Reisender oder Pauschaltourist

Das Ziel oder die Destination ist für einen Reisenden nicht unbedingt das Wesentlichste. Es geht zunächst um das wie, was und wozu. Also um die zugrundeliegende Motivation.  Dazu kommt eine gewisse Vorfreude und Offenheit für das Unerwartete. Wichtig ist dabei auch die Akzeptanz anderer, ungewohnter Lebensformen. Es ist sogar der Wunsch danach fremdes Essen, Verhaltenscodex und nicht so perfekte Infrastrukturen kennenzulernen.

Die etablierte Pauschalreise zeigt hierbei einen ganz anderen Ansatz. Es geht bevorzugt zu Orten mit einer bestens strukturierten Infrastruktur. Der Faktor Erholungswert steht deutlich im Vordergrund. Ein weiteres wesentliches Element der Pauschalreise ist, dass sie austauschbar ist. Einmal geplant, kann sie für mehrere Kunden angewendet werden.  Hier sollte dann alles wie am Schnürchen klappen. Die Versorgung mit Lebensmitteln, Getränken und die Transporte stellen keine allzu großen Probleme dar. Eine Lodge, die Strom und Wasser selbst zur Verfügung stellen muss und Lebensmittel stundenlang über Staubstraßen transportieren muss, hat da ganz andere Herausforderungen zu meistern.

Kenia Samburu

Reisen und der Ursprung

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Warum wir reisen und was wir dadurch positiv bewirken können.

Kennen Sie den Begriff „to coddiewoble“? Das altenglische Verb steht als Ausdruck für die Absicht unterwegs zu sein, jedoch ohne ein bestimmtes Ziel im Auge zu haben. Ursprünglich ein Begriff für das rituelle Umherziehen der Aborigines in Australien, steht „walkabout“ ebenfalls für einen ziellosen Aufbruch in die Natur. Auch das britisches Reisemagazin „The Wanderer“ hat seinen Titel sicher bewusst und sehr passend gewählt. Denn ein Wanderer trägt das Forscher-Gen in sich. Im Gegensatz zur klassischen Vorstellung eines Touristen, der auf bereits bekannten Pfaden wandelt, sucht der Wanderer möglichst unerforschte Regionen und das Abenteuer.

Bereits schon vor Hunderten von Jahren wussten Inder um den spirituellen Wert des Reisens. Im Aitreya Brahmana, einem Sanskrit-Text aus der Zeit um 300 v. Chr., preist Indra, der König der Götter, einem jungen Wahrheitssuchenden die Vorzüge des Lebens auf der Straße an. „Es gibt kein Glück für den, der nicht reist.  Wenn man in der Gesellschaft der Menschen lebt, wird selbst der beste Mensch zum Sünder. Deshalb wandere! Die Füße des Wanderers sind wie eine Blume, seine Seele wächst und erntet die Früchte.  All seine Sünden werden durch die Mühen des Wanderns zerstört, deshalb wandere! Das Glück dessen, der sitzt, sitzt. Es steht auf, wenn er aufsteht. Es schläft, wenn er schläft. Es bewegt sich, wenn er sich bewegt. Darum wandere!‘

Zitate zum Begriff Reisen

Ich will auf einen weiteren, wichtigen Aspekt hinwiesen. Reisen erweitert den Geist, heißt es so schön und das umso mehr, je mehr man eben selbst aktiv wird und die Destination wirklich erkundet. Beispiele prominenter Schriftsteller und Künstler die diese Ansicht teilen, gibt es genug, wenn man erst zu suchen beginnt.  So besagt ein Zitat von Mark Twain: „Reisen ist tödlich für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit.  Umfassende, gesunde und wohlwollende Ansichten über Menschen und Dinge kann man sich nicht aneignen, indem man sein ganzes Leben lang in einem kleinen Winkel der Erde dahinvegetiert“.

Ein weiteres Beispiel gibt der amerikanische Schriftsteller, Bohemien und Maler Henry Miller. Er schrieb:  „Das Ziel ist nie ein Ort, sondern eine neue Art, die Dinge zu sehen“.  Ein wunderschönes Zitat von Erich Kästner besagt: „Nur unterwegs erfährt man das Gefühl märchenhafter Verwunschenheit“.

Für den französischen Schriftsteller und Philosoph Albert Camus war das Reisen eine Alchemie, eine geistige Umwandlung, bei der man sich ganz dem Unbekannten hingibt. „Das Reisen, das gleichsam eine höhere und ernstere Wissenschaft ist, bringt uns zu uns selbst zurück.“  Der Schriftsteller Marcel Proust meinte: „die besten Entdeckungsreisen macht man, indem man die Welt mit anderen Augenbetrachtet“. Ich wurde dies mit einer notwendigen offenen Haltung interpretieren. So sollte man fremde Länder vor allem unvoreingenommen besuchen. Wer Afrika und Indien mit anderen Augen betrachtet, bringt mehr Verständnis für die Probleme dieser Regionen mit, an denen die westliche Welt nicht immer ganz unschuldig ist.

Auch die Aussage von Aldous Huxley „Reisen ist das Entdecken, dass alle Unrecht haben mit dem was Sie über andere Länder denken“, trifft für mich voll und ganz ins Schwarze.

Pangong Lake, Ladakh

Reisen heute

In der heutigen Zeit, wo jeder Winkel der Erde bereits erkundet wurde und Menschen bei ihrer Berufstätigkeit einer strengen Zeitplanung unterliegen, muss man dies natürlich etwas relativieren. Es geht im Kern immer noch um das Unbekannte, das Neue. Jedoch unter der Fahne der Individualität. Da kann schon mal ein Handy und Internet Verzicht für 2 Wochen, die Begegnung mit einer unbekannten Dimension bedeuten.

Unsere Welt ist im 21. Jahrhundert kleiner geworden. Dank Internet, Instagram und Fernseher hat mittlerweile nahezu jeder zumindest eine Vorstellung davon, wie es woanders aussieht.  Aber all diese wunderbaren, bildhaften Eindrücke ersetzen nicht die reale Begegnung mit der Fremde.

Wie lässt sich nun das moderne Reisen verantworten? Ein Bewusstsein für fremde Kulturen, die Natur zu schaffen und letztlich zu unserer Rolle dabei, sind nach wie vorgegeben. Durch die Vielzahl von Menschen, die heutzutage reisen wollen und können, wird es jedoch immer schwerer hier die richtige Balance zwischen Wirkung und Schaden zu finden. Dies geht nur durch sensibles, nachhaltiges Reisen. Und nur, wenn wir dadurch auch Positives in unseren Zielen bewirken.

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Über den Autor: Claudia Behlert

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Die Tierärztin Dr. Claudia Behlert machte aus ihrer Passion für das Reisen eine Agentur für Individualtourismus. Bei eigenen Touren besuchte Sie 6 Kontinente. Sie lebte in Europa & Asien. In ihren Blogbeiträgen teilt sie ihre Erfahrungen.
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