Wer Indien in seiner Vielfalt kennenlernen möchte, muss Orte besuchen, die seit Jahrhunderten vom Glauben, vom Alltag und von tief verwurzelten Traditionen geprägt sind. Puri in Odisha ist genau ein solcher Ort. An der Ostküste Indiens gelegen, verbindet die Stadt Spiritualität, Kultur und Meereslandschaft auf eine Weise, die Reisende tief berührt.

Odisha, das früher Orissa hieß, grenzt im Norden an die Bundesstaaten Westbengalen und Jharkhand, an Chhattisgarh im Westen und Andhra Pradesh mit der eher bekannten Hauptstadt Hyderabad, im Süden und kann deshalb auch gut mit den Nachbarstaaten zu einer Rundreise kombiniert werden, zum Beispiel für einen längeren Aufenthalt.

In diesem Blogbeitrag werde ich von meinen Erfahrungen in Odisha berichten und warum ich diesen Bundesstaat als Reiseziel empfehlen kann. Also, kommen Sie mit und entdecken mit mir die Schönheit von Odisha!

Puri & Bhubaneswar – Spirituelle Höhepunkte in Odisha

Ein moderner Airbus der Air India brachte mich sicher von Delhi nach Bhubaneswar, der Hauptstadt des Landes. Vor dem Flughafenterminal schlug mir dann die ungewohnt warme und feuchte Luft entgegen, denn ich war Anfang September unterwegs. Die ideale, weniger schwülheiße Reisezeit ist von Dezember bis Februar. Völlig unerwartet wurde ich von meinem Fahrer und meinem Guide mit einem riesigen Blumenstrauß empfangen und dann ging es sofort los.

Auf dem Weg nach Puri machten wir noch einen Stopp bei den Dhaula Hügeln, die ein paar Kilometer südlich der Hauptstadt liegen. Dhaula ist ein historisch und spirituell sehr bedeutsamer Ort.  Eine schmale Bergstraße führt, vorbei an Cashewnuss- u. anderen Bäumen den Hügel hinauf, wo ich zunächst auf der linken Seite einen kleinen Park besuchte. Auf alten Felswänden sind hier Dekrete des Ashoka eingraviert. Ashoka lebte zur Maurya Zeit um 260 Jahren v. Chr. Ein besonders blutiger Krieg löste in dem mächtigen Kaiser und Kriegsherrn eine Transformation aus und er wandte sich fortan dem Buddhismus und der Verbreitung von Demut, Frieden und Mitgefühl zu. Der aus einem Fels gehauene Elefantenkopf, den man am Eingang sieht, ist eine der ältesten buddhistischen Skulpturen Odishas aus jener Zeit.

Aus-dem-Fels-gehauener-Elefantenkopf-bei-Dhaulia

Beim Parkplatz am Ende der gewundenen Straße, boten kleine Verkaufsstände Getränke und Fingerfood an. Hier erwarb ich eine große Tüte frisch gerösteter Cashewnüsse, für die Bhubaneswar ebenfalls bekannt ist. Inzwischen hatte es angefangen zu regnen, was der Feuchtigkeit in der Luft zusätzlich Aufschwung gab und jede Bewegung mühsamer machte. Tapfer folgte ich meinem Guide einen breiten Fußweg bergauf zur Shanti Stupa, einer von Japanern gestiftete Pagode, mit der leuchtend weißen Kuppel und goldenen Löwenskulpturen. In ganz Indien gibt es sieben derartiger Friedenspagoden, von denen ich bereits das nahezu gleichartige Bauwerk in Ladakh gesehen hatte.

Der Strand von Odisha bei Puri

Nach einer weiteren  Fahrt von nur knapp 2 Stunden, erreichte ich am späten Nachmittag den Strand von Puri. Wer hier Sonnenschirme, Strandbars und ein klassisches, tropisches Beach Paradies mit Palmen erwartet, wird enttäuscht werden. Puri ist weniger ein exklusiver Badeort als vielmehr ein Spiegel des täglichen Lebens. Fischerboote, morgendliche Rituale und Sonnenaufgänge über dem Golf von Bengalen prägen die Szenerie. Der weitläufige Strand ist von den dicht nebeneinanderliegenden Hotels und Häusern durch die Küstenstraße getrennt. Selten sah ich badende Menschen, dafür unzählige Buden mit der typischen, blauen Plastikbedachung, Musik die aus Lautsprechern dröhnt und ganze Familien, die geschützt unter einem Sonnenschirm Picknick am Meer machten oder auch nur auf die seichte Brandung blickten.

Der breite Sandstrand und das tropische Klima bieten allerdings ein erhebliches Potential, um auch klassische Badegäste in Zukunft zu überzeugen. So hat das neue Taj Resort, abseits des Zentrum, einen direkten Zugang zu einem einsamen Strand, vorbei an grasbewachsenen Dünen.  Das puristische Design des Resorts spiegelt die reiche Kultur Odishas, in einer ruhigen und sehr eleganten Atmosphäre. Beeindruckt hat mich vor allem das Lüftungssystem, welches in allen Räumen eine natürliche Kühlung durch die perfekte Nutzung von Luftströmungen, garantiert. Wer eine luxuriöse und gleichzeitig nachhaltige und angepasste Unterkunft in Puri sucht, ist hier richtig.

Ich wohnte im Hans Coco, einem charmanten, allerdings leicht in die Jahre gekommenen Strandhotel, das vor allem durch das überaus freundliche und immer hilfsbereite Personal gewann. Die Chalets, die zum Garten mit der herrlichen Poolanlage ausgerichtet sind, bieten jeweils ein Zimmer mit eigener Terrasse oder mit Balkon. Jeden Tag bekam ich dort frische Blumen und Obst. Tagsüber hatte ich den Pool fast für mich allein.  Das Essen war schmackhaft und die abendliche Beleuchtung des Gartens unterstrich die romantische Atmosphäre einer Tropennacht. Von der Straße drang erstaunlicherweise kaum ein Laut in mein Chalet vor. Und wer das abendliche Treiben von Puri hautnah erleben will, erreicht die Strandpromenade durch ein Tor am Ende des Gartens.

Poolanlage mit Palmen und Meeresblick des Hans Coco Resorts in Puri

Der nächste Tag führte mich in die Altstadt von Puri. Sie zählt zu den vier bedeutendsten Pilgerstätten Indiens. Ziel von Millionen Gläubigern ist der imposanten Jagannath-Tempel. Er dient der Verehrung von Gott Jagannath, einer weiteren Inkarnation des Gottes Vishnu. Nicht-Hindus ist der Zutritt verboten, was man angeblich auch an der Farbe der Flagge, die über den Tempeln weht, erkennen kann, wie mir mein Guide erklärte. Für mich war ohnehin das Treiben auf der Straße die zum Jagannath-Tempel führt, das faszinierende Erlebnis. Verkaufsstände, orange gekleidete Pilger, Frauen in bunten Saris und Mädchen, die in ihren Glitzerkleidern jeder Discokugel Konkurrenz machten, Rikschas, Mopeds oder Tuk-Tuks. Die breite Hauptstraße war voller Leben. Die gesamte Atmosphäre um den Tempel war gerade wegen des Trubels, einfach einzigartig.

Konark Tempel – ein UNESCO Welterbe

Puri liegt zudem für Besucher strategisch günstig, denn viele Kulturstätten sind nur wenige Kilometer entfernt. So ist der Ort ein idealer Ausgangspunkt um den berühmten Sonnentempel von Konark zu besuchen. Der Name Konark setzt sich übrigens aus den Sanskrit-Wörtern Kona (Ecke oder Winkel) und Ark (Sonne) zusammen. Der Tempel oder vielmehr die Tempelanlage aus dem 13. Jhd., ist im Stil eines überdimensionalen, riesigen Streitwagens gebaut.

Das Bauwerk ist dem Sonnengott Surya gewidmet. Der Konark Tempel ist vor allem wegen seiner exquisiten Steinmetzarbeiten bekannt, mit denen er geradezu übersät ist. Zudem hat der Tempel eine hohe symbolische Bedeutung. So stehen die ursprünglich 12 Räderpaare für die 12 Monate des Jahres und die einst 7 steinerne Zugpferden für die 7 Tage der Woche. Einige dieser Skulptur noch heute ganz gut erhalten. Die Speichen der Räder sind zudem derart gestaltet, dass man unter Nutzung des Schattenwurfes der Sonneneinstrahlung, die Uhrzeit noch heute sekundengenau ermitteln kann.

gut erhaltene, noch real wirkende Pferde-Skulptur-am-Konark-Tempel

Nahezu jede freie Fläche, auch die innerhalb der Räder des Himmelswagens, ist mit Skulpturen aus der indischen Mythologie geschmückt.  Während die linke Seite des Tempels von der zentralen Versammlungshalle betrachtet, im Sonnenlicht erstrahlt, ist die rechte Seite immer im Dunkeln.

Ein weiterer Ausflug brachte mich in ebenfalls knapp 2 Stunden zum Chilika-See, Asiens größtem Binnensee mit Salzwasser. Er weist zahlreiche kleine Inseln auf, darunter die bezaubernde Honeymoon Insel und die Frühstück Insel. Dieser birnenförmige See, der vom Golf von Bengalen getrennt ist, beherbergt eine Vielfalt an Flora, Fauna und Wasservögeln. Auch die Umgebung des Brackwasser-Sees ist Lebensraum für einheimische Vogelarten und ein wichtiges Überwinterungsgebiet für Zugvögeln. Ich wollte allerdings unbedingt die seltenen Irrawaddy Flussdelphine sehen. Leider machte es mir einsetzender Regen, und damit ein grau verhangener Himmel schwerer die Tiere zu entdecken. Bei Sonnenschein sind die Chancen nämlich erheblich größer, weil die Tiere dann dichter unter der Oberfläche schwimmen. Wenn auch nicht deutlich genug für ein Foto, so konnte ich dennoch einige Delphine für ein paar Sekunden sichten.

Für das abgelegene Mangrovengebiet des Bhitarkania Wildlife Sanctuary und das Schutzgebiet des Simlipal Nationalparks, reichte leider meine Zeit nicht aus. Für beides beginnt zudem die ideale Reisezeit ebenfalls erst im November.

Bhubaneswar – Stadt der Tempel

Am Schluss meiner Reise verbrachte ich noch einen Tag in Bhubaneswar. Ich hatte hier das brandneue ITC WelcomHotel gebucht, ein modernes und luxuriöses Hotel mit zwei Restaurants, einer gemütlichen Lobby und einem Wellness Bereich, in dem ich mich äußerst wohl fühlte.

Bhubaneswar wird oft liebevoll als „Stadt der Tempel” benannt. Denn einst soll es hier über tausend Tempel gegeben haben. Heute existieren etwa noch etwa 500 von Ihnen. Sie schmücken die Skyline der Stadt mit ihren Türmen, während die safranfarbenen und weißen Fahnen an ihren Spitzen, im Wind flattern. Bei meiner halbtägigen Stadttour besuchte ich den Lingaraj, den Rajarani, den Mukteswar und Shree Parsurameswara Tempel. Der Shiva gewidmete, 55 Meter hohe Lingaraj Tempel ist dabei einer der ältesten der Stadt und gleichzeitig der größte von Ihnen. Der weitläufige Tempelkomplex umfasst hundertfünfzig Nebenschreine. Er wurde im 11. Jhd. erbaut. Der Lingaraj Tempel ist für Nicht-Hindus nicht zugänglich. Man kann jedoch von einer erhöhten Plattform aus, die direkt an den Tempelkomplex reicht, auf die gesamte Anlage blicken und Fotos machen. Die exquisiten Schnitzereien, welche die ganze Oberfläche bedecken, zeigen die Szenen aus dem täglichen Leben.

Trotz Wasserflasche und Fächer hatte ich auch hier mit der großen Schwüle in der Nebensaison zu kämpfen, obwohl ich eigentlich ein wärmeliebender Mensch bin und nach 5 Jahren in Südostasien auch mit einer hohen Luftfeuchtigkeit gut umgehen kann.

Puri & Bhubaneswar – Spirituelle Höhepunkte in Odisha

Odisha gehört mit zu den kulturell reichsten, aber noch wenig besuchten Regionen Indiens. Während meines 7-tägigen Aufenthalts bin ich keinem weiteren Besucher aus Europa oder Amerika begegnet. Dennoch fühlte ich mich als alleinreisende Frau zu keiner Zeit unsicher. Ich war auch kein Objekt von besonderem Interesse, sondern nur ein normaler Besucher, wie Tausend Inder auch. So bin ich immer wieder von der Freundlichkeit der Menschen überrascht, wenn ich nach Indien reise. Odisha war da keine Ausnahme.

Die Kombination aus Puri, Bhubaneswar, dem UNESCO-Welterbe Konark und Strand, macht Odisha zu einem idealen Reiseziel für kulturell interessierte Indien-Reisende, die authentische Eindrücke abseits bekannter Routen in diesem wunderbaren Land suchen.

Barasingha Hirsch im Kanha NationalparkTiger Safari in Madhya Pradesh
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Über den Autor: Claudia Behlert

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Die Tierärztin Dr. Claudia Behlert machte aus ihrer Passion für das Reisen eine Agentur für Individualtourismus. Bei eigenen Touren besuchte Sie 6 Kontinente. Sie lebte in Europa & Asien. In ihren Blogbeiträgen teilt sie ihre Erfahrungen.

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